Freestyle Slalom Skating

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Freestyle Slalom Skating macht Spaß und ist schön anzusehen. Schon wer die Basics beherrscht, kann andere leicht beeindrucken. Darum geht es aber nicht! Beim Freestyle Slalom Skating geht es um den Spaß an der Bewegung zu guter Musik. Die Community kommt vor dem ‘ernst der Lage’ und der verbissenen Jagt nach Weltranglistenpunkten…

Nach einem kleinen Vorgeschmack in Video-Format, erfährst du auf dieser Seite, was es mit dem Freestyle Slalom Skating auf sich hat.

Inhalte

  1. Speed Slalom
  2. Classic Slalom
  3. Freestyle Battle
  4. Slide
  5. Judging

Einordnung eines Szene-Sports

Freestyle Slalom Skating ist ein recht junger Szene-Sport. Er gehört zu den Rollsportarten, zu denen auch Roll- und Inlinehockey, Speedskating, Skate- und Longboarding sowie Agressive- und Streetskating gezählt werden. Am nächsten verwandt ist das Freestyle Slalom Skating wohl mit dem Rollkunstlauf, bei dem ebenso Elemente aus Breakdance, Ballett und Eiskunstlauf miteinander verknüpft werden, wobei die Tricks beim Freestyle Slalom Skating in einem Parcours aus kleinen Hütchen (Cones) – nicht nur auf freier Fläche – gefahren werden.

Wichtiger als die Zuordnung zu einer bestimmten Sportart ist beim Freestyle Slalom die Einordnung der Community. Die Gemeinschaft steht bei Szene-Sportarten wie dem Freestyle Slalom Skaten an höchster Stelle. Die Community der Freestyle Slalom Skaterinnen und Skater wird zur (Jugend-) Szene der Skater gezählt. Innerhalb dieser Szene lassen sich ganz unterschiedliche Spielarten des Skatens beobachten: vom Agressive- und Street-Skating über das Skateboarding bis zum Freestyle Slalom und “JB” Skating. Gemein ist all diesen ‚Teil-Szenen‘ der Fokus auf die Entwicklung besonderer ‚Skills‘ und eines eigenen Stils.

Skaten ist eine voraussetzungsvolle sportliche Aktivität, deren Ziel darin besteht, möglichst viele und möglichst schwierige Tricks ‘stehen’ und diese miteinander kombinieren zu können. […] Das Erlernen eines neuen Tricks kann manchmal Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Deshalb macht das Beherrschen dieser Sportart Skater in ihrer Selbstwahrnehmung zu etwas ‘Besonderem’, zu jemandem, der etwas tut, was nicht jeder ohne weiteres tun kann. […] Wie bei anderen Sportarten auch, spielt Leistung in der Skater-Szene eine wichtige Rolle. Angesehen sind diejenigen, die besonders schwierige Tricks beherrschen oder miteinander kombinieren können. […] Dennoch gibt es zu klassischen Sportarten Unterschiede: Gegenüber z. B. der Leichtathletik ist die Leistung des Skaters nicht eindeutig messbar, denn hier sind Kreativität und Ästhetik der Bewegungen wichtige Kriterien. Gegenüber z. B. dem Fußball besteht der Reiz des Skatens nicht in der direkten Auseinandersetzung mit einem Gegner, sondern in der Vervollkommnung des eigenen Bewegungskönnens. Skaten besteht aber nicht nur im Nachvollzug vorgegebener Kunststücke. Ein wesentliches Moment ist darüber hinaus die Entwicklung neuer Tricks und der kreative Umgang mit der Architektur des öffentlichen Raumes sowie der möglichen Kombination bzw. Anordnung von Tricks darin (aus www.jugendszenen.com).

Der Einbezug der Architektur des öffentlichen Raumes ist beim Freestyle Slalom Skating nur insofern relevant als ‚besondere‘ Spots für die Produktion von Filmen und Videos genutzt werden. Da Freestyle Slalom Skater auf eine ebene, relativ glatte Oberfläche mit ausreichender Größe angewiesen sind, wird die Architektur öffentlicher Plätze vor allem als Kulisse verwendet.

Geschichte des Freestyle Slalom Skating

Die ersten Ansätze, das Inline-Skating mit einem Parcours zu verbinden, stammen aus den USA der 1990er Jahre. Die Anfänge des Freestyle Slalom Skating reichen somit bis zu den Anfängen des Inline-Skating selbst zurück. Auf den US-amerikanischen Spots z.B. im New Yorker Cental Park wurde zu Beginn versucht das Ski-Slalom auf Inline-Skates nachzuahmen. Der Parcours wurde mehr oder weniger willkürlich aufgestellt und das Ziel war es, die Strecke so schnell wie möglich zurück zu legen. Trick-Vielfalt und Kombination waren seiner Zeit nicht so wichtig.

Verfeinert wurde das Freestyle Slalom Skating dann in Norditalien Mitte der 1990er Jahre. Hier wurden erstmals genaue Abstände für den Parcours festgelegt und auch mehr als eine Reihe Cones aufgestellt. Ab etwa 1994 bildeten sich in Mitteleuropa die ersten Freestyle Slalom Teams, die 1996 beim ersten Turnier seiner Art in Lausanne (frz. Schweiz) gegeneinander antraten.  Seither wurde das Freestyle Slalom Skating in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt.

  • 2003 wurde von Engagierten Skaterinnen und Skatern die „World Slalom Skaters Association“ (WSSA) ins Leben gerufen, unter deren Dach seither alle ‚offiziellen‘ Events der nationalen wie auch der World  Slalom Series organisiert werden.
  • 2005 wurde der erste Skate, der speziell für das Freestyle Slalom Skating konzipiert wurde, als SEBA FR1 verkauf.
  • 2008 wurde die erste Weltmeisterschaft im Freestyle Slalom Skating von der WSSA in Sigapur organisiert, an der dann seinerzeit Skaterinnen und Skater aus 18 Nationen teilnahmen.

Heute werden jährlich ca. 90 Turniere auf der ganzen Welt organisiert. Die Schwerpunkte liegen dabei in Asien und Europa. Im asiatischen Raum hat das Freestyle Slalom Skaten darüber hinaus einen relativ hohen Status erlangt; während es in Europa eher zu den Fun-Sportarten gezählt wird, gehört es in einigen Ländern Asiens zum offiziellen Schulsport.

Events beim Freestyle Slalom Skating

Seit der Gründung der WSSA werden Turniere im Freestyle Slalom Skating in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt; vom Newcommer-Event bis zur internationalen Großevent. Unterschieden wird dabei nach Regelmäßigkeit und Erfahrung der Organisierenden sowie Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit des Turnierortes.

  • New Cone Events sind Turniere, die zum ersten Mal stattfinden. Im Grunde handelt es sich hierbei um kleine lokale Events, auf denen die internationalen Eliten der Szene regelmäßig nicht erscheinen. Sie sind der perfekte Ort für Skaterinnen und Skater, die zum ersten Mal an einem Turnier teilnehmen.
  • One Cone Events sind lokale Turniere, die regelmäßig organisiert werden. Auch sie sind für Anfängerinnen und Anfänger gut geeignet, wobei je nach Stadt auch Weltklasseskater teilnehmen.
  • Zwo Cone Events  sind eher als nationale Turniere angelegt. Teilnehmende können hier mehr Punkt für die Weltrangliste bekommen, weshalb auch häufiger als bei New- oder One-Cone-Events Weltklasseskater anzutreffen sind.
  • Three Cone Events sind die Haupt-Turniere der Szene. Auf den wenigen Events dieser Größenordnung treffen regelmäßig die Spitzenskater des jeweiligen Kontinents (Europa oder Asien) aufeinander, wobei mithin auch ‚Besuch’ vom jeweils anderen Ende der Welt kommt.
  • Four Cone Events schließlich sind die Groß-Turniere der Freestyle Slalom Community. Im Gegensatz zu allen anderen Kategorien ist ihre Teilnahme begrenzt. Jeder und jede SkaterIn auf der Weltrangliste darf nur einmal im Jahr an einem solchen Turnier teilnehmen. Wird ein zweites Mal teilgenommen, zählt die Teilnahme als Three Cone Event.

Neben der ‚Jagd‘ nach Weltranglistenpunkten, die auf jedem dieser Turniere erlangt werden können, werden auch nationale, kontinentale und weltweite Meisterschaften ausgetragen. Die nationalen Meisterschaften sind zumeist One oder Zwo Cone Events währenddessen die Kontinentalmeisterschaften sinnvoller Weise als Four Cone Events ausgetragen werden. Weltmeisterschaften dagegen bilden eine eigene Kategorie – hier können keine Weltranglistenpunkte erlangt werden.

Disziplinen beim Freestyle Slalom Skating

Auf den Events des Freestyle Slalom Skating werden unterschiedliche Disziplinen ausgetragen. Obgleich das Speedslalom nur wenig mit Trickreichtum und Stil zu tun hat, sind all diese Diziplinen historisch mit dem Freestyle Slalom Skating verbunden. So waren die Anfänge in den USA ja durchaus davon bestimmt, so schnell wie möglich durch einen Parcours aus Hindernissen (heute Cones) zu skaten.

Speed Slalom

Wie der Name sagt, geht es beim Speed Slalom darum, so schnell wie möglich im Slalom durch einen Parcours aus Hütchen zu skaten. Dabei gelten spezielle Regeln: Der Parcours besteht aus 20 Cones, die alle in 80 cm Abstand in einer Reihe aufgestellt werden. Der Anlauf beträgt exakt 12 Meter. Da ein Lauf im Speed Slalom dementsprechend schnell vorbei geht, wird die Zeit i.d.R. mit Lichtschrankentechnik gemessen. Zusätzlich folgt jedem Fahrer bzw. jeder Fahrerin ein Richter, der (oder die) nicht nur die ausgelassenen und umgeworfenen Cones zählt, sondern – mit Unterstützung von zwei weiteren Richtern – auch darauf achtet, dass im Parcours nur auf einem Bein gefahren und das Bein auch nicht gewechselt wird. Pro ausgelassenem oder umgeworfenem Cone werden zwei Zehntel Sekunden auf die gefahrene Zeit aufgeschlagen. Werden mehr als fünf Fehler gezählt oder grobe Regelverstöße beobachtet, wird der Lauf nicht gewertet.

Speed Slalom kann sowohl nach Zeit — also als Einzel — als auch im Battle-Modus ausgetragen werden. Im Battle-Modus (zumeist in den K.O.-Runden) muss nicht der- oder diejenige mit der besten Zeit gewinnen. Im Gegensatz zum Einzel gilt es hier lediglich schneller zu Fahren bzw. weniger Fehler zu machen als der Gegner bzw. die Gegnerin.

Classic Slalom

Die  Disziplin des Classic Slalom ist dem Rollkunstlauf sehr ähnlich. Hier haben die Skaterinnen und Skater etwa 90 Sekunden (+/- 10 sec) Zeit, so viele Tricks wie möglich zu einer selbst gewählten Musik zu fahren. Der Parcours besteht hier aus drei verschiedenen Reihen (Lines): einer mit 20 Cones in 50 cm Abstand, einer mit 20 Cones in 80 cm Abstand und einer mit 14 Cones in 120 cm Abstand. Für die Bewertung sind fünf Richter (Judges) zuständig, die von zwei weiteren unterstützt werden — einer für die Penalitys (gekickte Cones und Stürze) und einer, der die Zeit stoppt und ggf. Strafpunkte für Überziehung verteilt. Anders als beim Freestyle Battle (s.u.) vergeben die Judges beim Classic Punkte: für Technik max. 60 und für Artistik max. 40 — insgesamt also 100 pro Lauf. Ganz im Sinne des Freestyles haben die Skaterinnen und Skater beim Classic größte Freiheit in der Entscheidung, welche Tricks sie fahren und miteinander kombinieren. Anders allerdings als beim Freestyle Slalom Battle müssen beim Classic alle Cones in den drei Lines umfahren werden, wobei die Judges großzügig ein Auge zudrücken, wenn nur alle Lines durchfahren werden. Gewertet wird Geschwindigkeit, Schwierigkeit der gefahrenen Tricks und der Kombination sowie — beim Classic Slalom  ganz besonders wichtig — die Stilsicherheit und die Show.

Zweifelsohne gehört die Disziplin des Classic Slalom zu den für Freestyle-Slalom Laien ansehnlichsten Disziplinen. Die Skaterinnen und Skater haben hier einfach mehr Zeit für die Show und sind i.d.R. sehr gut vorbereitet.

Freestyle Battle

Die  häufigste Disziplin bei Turnieren der Freestyle Slalom Szene ist das Battle. Hier gilt es, sich in einer Gruppe aus i.d.R. drei bis vier Skaterinnen oder Skatern zu behaupten. Die drei Richter (Judges) achten auch hier auf  Geschwindigkeit, Schwierigkeit der gefahrenen Tricks sowie Kombination und Stilsicherheit. Im Gegensatz zum Classic (s.o.) werden in dieser Disziplin keine Punkte vergeben. Die Skaterinnen und Skater in den jeweiligen Gruppen werden lediglich miteinander verglichen, wobei es bei ähnlich sicher gefahrenen Tricks und Kombinationen auch auf die Anzahl der umfahrenen Cones ankommt.

Der  Parcours (oder Battle Ground) besteht hier aus vier Cone-Reihen: einer mit 20 Cones in 50 cm Abstand, einer mit 20 Cones in 80 cm Abstand, einer mit 10 Cones in 80 cm Abstand und einer mit 14 Cones in 120 cm Abstand. Beim Battle müssen die Stakterinnen und Skater nicht alle Lines an- und auch nicht jeden Cone umfahren. Wegen der knappen Zeit von gerade einmal 30 Sekunden pro Lauf müssen sie möglichst schwierige High-Level-Tricks zeigen (siehe Judging)

Slide

Die  wohl spektakulärste Disziplin im Freestyle Slalom Skating ist die des  Slidens. Hier geht es nicht darum, um Hütchen zu fahren, sondern  möglichst kunstvoll zu bremsen. Beim  Sliden steht selbstverständlich nicht der möglichst kurze Bremsweg im  Vordergrund. Für die verschiedenen Kunststücke – mithin Kombinationen – beim Bremsen wäre das auch hinderlich. Viel wichtiger sind Kreativität, Show und  Schwierigkeitsgrad (auch hier gelten Kunststücke auf einer Rolle als schwierigstes Level) wobei der Slide selbstverständlich auch gestanden werden muss. Wer beim Sliden auf die Nase fällt kommt wahrscheinlich keine Runde weiter.

Judging

Das Bewertung der einzelnen Läufe (runs) in den unterschiedlichen Disziplinen obliegt bei offiziellen Turnieren allein den Richtern (Judges), wobei sich diese immer einen Head und Co Judges unterteilen. Bei sog. fun battles dagegen ist entweder Publikumsbeteiligung oder die Wertung durch andere Battle-Gruppen gefragt. Die Aufgabe der Judges ist es, möglichst faire, für alle nachvollziehbare Entscheidungen über das Ranking der Skaterinnen und Skater zu treffen. Besonders beim Freestyle Battle ist das nicht immer einfach, weil sich die runs in technischem Anspruch und Geschwindigkeit zuweilen sehr ähneln und keine Punkte vergeben werden. So besteht das Judging mithin aus reinem Trick-Zählen — wer einen Trick länger steht bzw. damit mehr Cones durchfährt gewinnt.

Als grobe Richtschnur für das Judging werden die üblichen Tricks in eine Matrix aus Trick-Typ und Schwierigkeitsgrad eingeordnet. Bei den Tricks im Freestyle Slalom Skating gibt es fünf Typen — sitting tricks, jumps, wheeling, spins und ‘others* –, die in sechs Schwierigkeitsgrade — von basic bis high level — eingeordnet werden. Die schwierigsten Tricks werden allesamt auf nur einer Rolle gefahren, wobei rückwärts als schwieriger denn vorwärts gefahrene Tricks eingestuft werden.

Ein Mashup aus Texten von Friedrich S. Hain, Martin Schröder und Hannes Jähnert